Athen

6 09 2011

Das urgemütliche Tirana Backpacker Hostel

Mittlerweile sind wir gut in Tirana angekommen und haben im Tirana Backpacker Hostel eine nette Bleibe gefunden. Wegen der hohen Temperaturen und kleinerer gesundheitlicher Probleme machen wir es wie in Athen so, dass wir den Nachmittag in Ruhe verbringen und abends durch die Stadt gehen.

Zunächst wollen wir allerdings noch einige Dinge aus Athen berichten.  Einige große Gegensätze der Stadt haben wir wohl hauptsächlich in drei verschiedenen Vierteln kennengelernt.

Dieser Hinweis (aus unserem Hostel) findet sich überall in Griechenland, und ist bitterer Ernst

Der Stadtteil, in dem unser Hostel lag, war hauptsächlich von Menschen aus Asien bewohnt und von großer Armut geprägt. Der große Victoriaplatz, auf welche wir angekommen sind, war sicher einer der Treffpunkte des Viertels.  Besonders abends hockten dort an den Rändern der Grünflächen jede Menge Männer und die Jungs spielen Fussball. Frauen oder Mädchen waren hingegen in der Regel nirgendwo zu sehen – nur am Sonntag Nachmittag hatten sie eine Ecke des Platzes für sich.  Tagesüber herrschte in den Straße ein reger Gemüse -(Schwarz?)-Handel. Jeder Anbieter hatte einen Karren oder einfach einen Eimer mit seiner Ware, und manchmal wechselten die Händler im Laufschritt mit ihrer Ware unterm Arm oder auf einem Karren den Standort. Außerdem gab es einen Haufen Läden, in denen man Geld in so ziemlich jede beliebige asiatische und osteuropäische Währung tauschen konnte und natürlich gab es auch Telefonläden, in denen man für sehr wenig Geld in diese Länder telefonieren konnte.

Politisches Graffiti nahe unseres Stadtteils

Vor so manchem verlassenen Haus herrschte ein dermaßen stechender Gestank , dass wir kaum wissen mochten, wie viele Menschen wohl unter welchen Verhältnissen dahinter leben.  In Erinnerung bleiben wird uns wohl auch eine Art rumänischer Mutter-Kind-Treff auf der Straße vor unserem Hostel. Ein englische Frau, die in unserem Hostel arbeitete, machte uns darauf aufmerksam, dass eine der Frauen ihr Baby in einer Art Ikea-Plastiktüte, welche mit Decken ausgelegt war, transportierte.

Straßenszene in Exarchia

Exarchia hingegen ist ein Stadtteil, in dem sich ein jeder linksalternativer Jugendlicher aus Europa zuhause fühlen kann. Hier sind die Gebäude heruntergekommen aber mit Liebe bewohnt, jede Wand ist voller Graffiti, sowohl schöne als auch primitive, überall hängen politische Plakate und Ankündigungen für Konzerte von alternativer und Metal-Musik, alternative Kneipen säumen die Straßen.

Gedenktafel für Alexandros Grigoropoulos, 2008 im Alter von 15 Jahren von einem Polizisten erschossen

Hier haben wir auch die Gedenkstätte für Alexandros Grigoropoulos gefunden. Jugendliche Anwohner anzusprechen und mit ihnen über den Ort und das Ereignis zu reden, war überraschend einfach. Es herrschte – anders als z.B. grundsätzlich in der Türkei – keine grundlegende Skepsis wegen der (vermeintlichen) kulturellen Unterschiede. Die Gedenkstätte ist, ohne jede Beteiligung der Stadt oder irgendwelcher Behörden, sehr liebevoll und dauerhaft eingerichtet. Michael hat es viel bedeutet, dort gewesen zu sein, nachdem er schon am Tag nach dem Mord im Dezember 2008 in Hamburg auf die Straße gegangen war.

Graffiti an der Universität: "Scheiß auf den Internationalen Währungsfonds"

Schließlich haben wir auch das touristische Athen gesehen. Wir sind auf die Akropolis gestiegen, haben das nationale Archäologie-Museum gesehen und den Syntagma-Platz vor dem Parlamentsgebäude besucht. Auf dem Syntagma-Platz war leider nichts mehr vom Protest griechischer Bürger gegen die lähmenden Sparmaßnahmen, die dem Land vom Internationalen Währungsfonds aufgezwungen werden, zu sehen. Diese sind gerade in diesem Sommer für alle Balkan-Reisenden greifbar: Keine internationalen Züge fahren nach oder verlassen Griechenland.

Demo auf dem Syntagma-Platz

Was wir aber beobachten konnten, war eine Protestkundgebung von etwa 200 Menschen, die sich gegen den syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad und seine brutale Unterdrückung der Menschen in Syrien richtete. Jemand hatte extrem viele Flaggen der alten syrischen Republik (frühe 30er bis späte 50er und Anfang der 60er Jahre) besorgt und ein riesiges Banner mit dem selben Flaggenmotiv tauchten den Platz in grün, weiß und schwarz. Die ganze Veranstaltung über wurde über einige Megaphone in arabisch gerufen und gesungen, wovon wir natürlich nur wenige Brocken verstehen konnten – dass es darum ging, Bashar Al-Assad möge sich zum Teufel scheren, war trotzdem offensichtlich.

Eine Frau mit der Flagge der libyschen Rebellen (und des alten Königreichs der 50er und 60er Jahre)

Es waren auch einige Flaggen Saudi Arabiens zu sehen, was Michael eher beunruhigte, Anna aber nur als Solidaritätsbekundung nach der Kritik des saudischen Königs an der syrischen Regierung verstand. Befremdlich fanden wir allerdings beide, dass auch Kinder von fünf Jahren oder noch weniger Nationalflaggen ins Gesicht gemalt hatten, Flaggen schwenkten und sogar in ihrer fiepsigen Stimme Parolen durch die Megaphone riefen.

Pan (rechts) will Aphrodite (links) an die nicht vorhandene Wäsche. Eros (oben) hilft ihr, ihn abzuwehren.

Die Akropolis und das Museum konnten wir – festhalten, bitte – als Studenten eines EU-Landes kostenlos betreten! So haben wir zusammen 38 Euro gespart, was der Reisekasse natürlich gut getan hat. Das archäologische Museum hat eine faszinierende Sammlung prähistorischer Artefakte zu bieten, die uns beiden trotz Erschöpfung viel Spaß gemacht hat. Das Parthenon auf der athenischen Akropolis bedarf sicherlich keines Fotos :)

Zum Abschluss: Ein Blück über Athen von der Akropolis


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