Moin! Wir schreiben heute zunächst nicht von Budapest, wo es bis zuletzt wirklich schön war, und von wo wir sicher abgereist sind. Stattdessen müssen wir mit Euch, lieben Leserinnen und Lesern, ein traumatisches Erlebnis verarbeiten.
Es begann alles mit einer Änderung unseres Reiseplans…

Nachdem uns Krakau und Budapest so gut gefielen, dass wir dort ganze fünf bzw. vier Tage verbrachten, ging uns auf, dass Bosnien nicht mehr in unseren Reiseplan passen würde. Auch eine direkte Fahrt nach Split stellte sich als zu lang heraus, sodass wir eine Alternative finden mussten, ans Mittelmeer zu kommen, denn wir wollten die letzten zwei oder drei Tage unseres Urlaubs sinnlos an einem wunderschönen Strand lümmeln.
Ich habe also auf einer Landkarte einen Ort an Kroatiens Mittelmeerküste ausgesucht. Aufgrund der Möglichkeit, dass eine Leserin oder ein Leser diesen Ort kennt, oder ihn irgendwann einmal kennen lernen wird, nennen wir seinen Namen nicht. Es ist uns einfach peinlich, dort gewesen zu sein. Wir verwenden einfach Bezeichnungen, die uns beim Anblick des Ortes in den Sinn kamen…
Schon als wir nach einem Zwischenstopp in Kroatiens Haupstadt Zagreb, nach einer etwa zehnstündigen Fahrt in Pjöngjang ankamen, kamen uns die ersten Zweifel an der Tauglichkeit dieses Ortes zu Entspannung und Erholung.
Das Panorama des Swat-Tals, das sich uns aus dem Zug bot, versprach romantische Strände:

Auch der Blick vom Hauptbahnhof in Richtung Meer war berauschend:

Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Jugendherberge von Baghdad haben wir eine falsche Abzweigung genommen und sind durch den Handelshafen gelaufen. “Unheimlich” ist kein Ausdruck für die zusammenfallenden Gebäude, die Gruppen von Jugendlichen, die uns mit einem undurchdringlichen Grinsen anschauten und bei unserem Vorbeigehen Kamerahandys zückten. Ein ansässiger Kroate war glücklicherweise so freundlich, uns auf seinem Heimweg von der Arbeit im Hafen zu begleiten und uns dabei den richtigen Weg zu zeigen. An manchen Stellen im Hafen hatten wir das Gefühl, dass er unsere “Lebensversicherung” darstellte.
Auch als wir in der einzigen Jugendherberge in Kabul angekommen waren, wurden unsere Sorgen nicht zerstreut. Das Gebäude war weder schön, noch lag es in der Nähe irgendwelcher erkennbarer Strände. Trotzdem haben wir für drei Nächte bezahlt und weiterhin auf das Beste gehofft.
Als wir etwas essen gehen wollten, haben wir zunächst die Innenstadt nicht gefunden. Alles schien wie ausgestorben. Durch einen Zufall haben wir aber eine große Straße gefunden, die in etwa wie eine Innenstadt wirkte. Dank des Fehlens von jeglichen Gaststätten mit Essensangebot haben wir labberige Sandwiches von einem Fastfood-Schuppen gemampft. Wir haben uns dann in eine Bar gesetzt und – immerhin günstige – Cocktails getrunken. Schonmal einen “Strawberry Caipirowska” probiert? Diese halbe Stunde war unser einziger glücklicher Augenblick in Kandahar.
Als wir schon ins Bett wollten, hat uns ein Zimemrgenosse, ein netter Österreicher aus Salzburg – ihn hatte es gleich für eine ganze Woche Urlaub allein nach Basra verschlagen – animiert, auf ein Bier mit ihm an den Strand zu gehen, den es in der Nähe der Jugendherberge geben sollte.
Der Strand… Nun, er hatte den Charme einer Betonmischmaschine, roch wie ein sibirisches Plumpsklo und war so groß wie eine Sammelumkleide im Schwimmbad. Das Meer brandete auf groben Kies, der keine drei Meter weiter am Stahlbeton der Treppe endete, die man zum Strand herunterging. Wir steckten unser Bier zum Abkühlen in den Kies, unterhielten uns, und waren uns sicher, dass es hier kaum weniger schön sein konnte.
Weit gefehlt. Vier (oder fünf?) kroatische Polizisten, die hinter der Treppe gelauert haben mussten, traten auf uns zu, leuchteten mit großen Taschenlampen auf uns, und forderten uns auf, unsere Dokumente vorzuzeigen und unsere Taschen auszuleeren. Offenbar enttäuscht, dass wir nicht säckeweise Drogen oder wenigstens eine Faustfeuerwaffe mit uns führten, verließen sie den Strand und uns mit einem Gefühl von Schock und Ausgeliefertsein. Sichtlich ungerührt war nur der Österreicher – sicherlich schon abgehärtet von fast einer Woche in Gaza-Stadt.
Am nächsten Morgen wurden wir von Baulärm von Baumaschinen aller Art geweckt – von Planierraupen über Presslufthammer bis hin zu Baggern. Es handelte sich um eine Baustelle, an der eine Umgehungsstraße auf den Strand gebaut wurde (unser kroatischer Begleiter vom Vortag hatte gemeint: “This was beautiful beach! Now they work, now it’s ugly.”).
Als uns auch noch beim Frühstück (verfügbar von 8 bis 9 Uhr!) hauptsächlich vierzehnjährige Deutsche begengeten, beschlossen wir, die Flucht anzutreten. Wir ließen uns soviel Geld wie möglich von der Rezeption zurückgeben und sprangen in den nächsten direkten Zug von Mogadischu nach Zagreb.
Hier sitzen wir nun und lecken unsere Wunden. Einen Tag wollen wir uns noch gönnen, wenn’s geht ins Schwimmbad gehen und ansonsten eine ruhige Kugel schieben, bevor wir am Montag Abend wieder in Hamburg ankommen.
Vielen Dank, dass Ihr zugehört habt. Wir nehmen gern Blumen entgegen.
(Freut Euch in den nächsten Tagen noch auf den Bericht über Budapest!)