Zagreb

6 09 2009

Tach!

Wieder müssen wir den Bericht für Budapest verschieben – diesmal, weil wir morgen früh die Heimreise antreten und dieses Internetcafé nur noch eine halbe Stunde geöffnet hat. Stattdessen schreiben wir Euch von Zagreb, wohin wir ja gestern Mittag geflüchtet waren. Aber keine Angst, ein ausführlicher Bericht mit lustigen und interessanten Bildern aus Budapest wird bald kommen!

Der Jarun-See in Zagreb

Gestern waren wir am Abend in der Stadt, haben sie uns ein wenig angeschaut und gemütlich etwas getrunken, während wir das weithin Aufsehen erregende Fußballspiel Kroatien-Weißrussland (Endstand 1:0), das offenbar in Zagreb stattfand, in einer Bar gesehen haben.

Der einzige Programmpunkt für heute war das Baden, um das wir ja in Somalia quasi betrogen worden waren. Wieder einmal gestaltete es sich weniger einfach als gedacht, war dann aber doch schön! Der Jarun-See (siehe Foto) ist nicht weit von der Zagreber Innenstadt entfernt. Die Strände bestehen leider nicht aus Sand, sondern landestypisch aus eher grobem Kies. Nachdem wir auf der Suche nach einer schönen Badestelle schon den halben See umrundet hatten, sind wir auf einen für uns kaum brauchbaren FKK-Strand getroffen, der spärlich von weit-über-50ern bevölkert war. Wir sind dann noch ein ganzes Stück weiter gelaufen – insgesamt waren es wohl schon fünf Kilometer gewesen. Trotzdem haben wir dann ein recht schönes Fleckchen eingenommen, gebadet, gelesen, in der Sonne gedöst und Eis gegessen. Endlich!

Und nun sitzen wir an unserem letzten Urlaubsabend im Internetcafé, um uns für Euch vom Balkan zu verabschieden. Gleich werden wir noch etwas mampfen gehen und morgen kurz vor 6 Uhr aufstehen. Tschüß!

PS: Dranbleiben, Budapest kommt noch :)





Somalia

5 09 2009

Moin! Wir schreiben heute zunächst nicht von Budapest, wo es bis zuletzt wirklich schön war, und von wo wir sicher abgereist sind. Stattdessen müssen wir mit Euch, lieben Leserinnen und Lesern, ein traumatisches Erlebnis verarbeiten.

Es begann alles mit einer Änderung unseres Reiseplans…

DSCF1294

Nachdem uns Krakau und Budapest so gut gefielen, dass wir dort ganze fünf bzw. vier Tage verbrachten, ging uns auf, dass Bosnien nicht mehr in unseren Reiseplan passen würde. Auch eine direkte Fahrt nach Split stellte sich als zu lang heraus, sodass wir eine Alternative finden mussten, ans Mittelmeer zu kommen, denn wir wollten die letzten zwei oder drei Tage unseres Urlaubs sinnlos an einem wunderschönen Strand lümmeln.

Ich habe also auf einer Landkarte einen Ort an Kroatiens Mittelmeerküste ausgesucht. Aufgrund der Möglichkeit, dass eine Leserin oder ein Leser diesen Ort kennt, oder ihn irgendwann einmal kennen lernen wird, nennen wir seinen Namen nicht. Es ist uns einfach peinlich, dort gewesen zu sein. Wir verwenden einfach Bezeichnungen, die uns beim Anblick des Ortes in den Sinn kamen…

Schon als wir nach einem Zwischenstopp in Kroatiens Haupstadt Zagreb, nach einer etwa zehnstündigen Fahrt in Pjöngjang ankamen, kamen uns die ersten Zweifel an der Tauglichkeit dieses Ortes zu Entspannung und Erholung.

Das Panorama des Swat-Tals, das sich uns aus dem Zug bot, versprach romantische Strände:

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Auch der Blick vom Hauptbahnhof in Richtung Meer war berauschend:

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Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Jugendherberge von Baghdad haben wir eine falsche Abzweigung genommen und sind durch den Handelshafen gelaufen. “Unheimlich” ist kein Ausdruck für die zusammenfallenden Gebäude, die Gruppen von Jugendlichen, die uns mit einem undurchdringlichen Grinsen anschauten und bei unserem Vorbeigehen Kamerahandys zückten. Ein ansässiger Kroate war glücklicherweise so freundlich, uns auf seinem Heimweg von der Arbeit im Hafen zu begleiten und uns dabei den richtigen Weg zu zeigen. An manchen Stellen im Hafen hatten wir das Gefühl, dass er unsere “Lebensversicherung” darstellte.

Auch als wir in der einzigen Jugendherberge in Kabul angekommen waren, wurden unsere Sorgen nicht zerstreut. Das Gebäude war weder schön, noch lag es in der Nähe irgendwelcher erkennbarer Strände. Trotzdem haben wir für drei Nächte bezahlt und weiterhin auf das Beste gehofft.

Als wir etwas essen gehen wollten, haben wir zunächst die Innenstadt nicht gefunden. Alles schien wie ausgestorben. Durch einen Zufall haben wir aber eine große Straße gefunden, die in etwa wie eine Innenstadt wirkte. Dank des Fehlens von jeglichen Gaststätten mit Essensangebot haben wir labberige Sandwiches von einem Fastfood-Schuppen gemampft. Wir haben uns dann in eine Bar gesetzt und – immerhin günstige – Cocktails getrunken. Schonmal einen “Strawberry Caipirowska” probiert? Diese halbe Stunde war unser einziger glücklicher Augenblick in Kandahar.

Als wir schon ins Bett wollten, hat uns ein Zimemrgenosse, ein netter Österreicher aus Salzburg – ihn hatte es gleich für eine ganze Woche Urlaub allein nach Basra verschlagen – animiert, auf ein Bier mit ihm an den Strand zu gehen, den es in der Nähe der Jugendherberge geben sollte.

Der Strand… Nun, er hatte den Charme einer Betonmischmaschine, roch wie ein sibirisches Plumpsklo und war so groß wie eine Sammelumkleide im Schwimmbad. Das Meer brandete auf groben Kies, der keine drei Meter weiter am Stahlbeton der Treppe endete, die man zum Strand herunterging. Wir steckten unser Bier zum Abkühlen in den Kies, unterhielten uns, und waren uns sicher, dass es hier kaum weniger schön sein konnte.

Weit gefehlt. Vier (oder fünf?) kroatische Polizisten, die hinter der Treppe gelauert haben mussten, traten auf uns zu, leuchteten mit großen Taschenlampen auf uns, und forderten uns auf, unsere Dokumente vorzuzeigen und unsere Taschen auszuleeren. Offenbar enttäuscht, dass wir nicht säckeweise Drogen oder wenigstens eine Faustfeuerwaffe mit uns führten, verließen sie den Strand und uns mit einem Gefühl von Schock und Ausgeliefertsein. Sichtlich ungerührt war nur der Österreicher – sicherlich schon abgehärtet von fast einer Woche in Gaza-Stadt.

Am nächsten Morgen wurden wir von Baulärm von Baumaschinen aller Art geweckt – von Planierraupen über Presslufthammer bis hin zu Baggern. Es handelte sich um eine Baustelle, an der eine Umgehungsstraße auf den Strand gebaut wurde (unser kroatischer Begleiter vom Vortag hatte gemeint: “This was beautiful beach! Now they work, now it’s ugly.”).

Als uns auch noch beim Frühstück (verfügbar von 8 bis 9 Uhr!) hauptsächlich vierzehnjährige Deutsche begengeten, beschlossen wir, die Flucht anzutreten. Wir ließen uns soviel Geld wie möglich von der Rezeption zurückgeben und sprangen in den nächsten direkten Zug von Mogadischu nach Zagreb.

Hier sitzen wir nun und lecken unsere Wunden. Einen Tag wollen wir uns noch gönnen, wenn’s geht ins Schwimmbad gehen und ansonsten eine ruhige Kugel schieben, bevor wir am Montag Abend wieder in Hamburg ankommen.

Vielen Dank, dass Ihr zugehört habt. Wir nehmen gern Blumen entgegen.

(Freut Euch in den nächsten Tagen noch auf den Bericht über Budapest!)





Krakau

3 09 2009

Tach! Müde von einem weiteren schönen aber anstrengenen Tag in Budapest, wollen wir jetzt endlich mal dazu kommen, Euch von Krakau zu erzählen!

LiegewagenAn unserem ersten Tag haben wir nicht viel geschafft. Die Reise in unserem Deluxe-Liegeabteil (siehe Foto) hinterließ bei Anna das tiefsitzende Bedürfnis, mehrere Mittagsschläfchen einzulegen. Trotzdem haben wir einen Spaziergang durch die Stadt gemacht und dabei einen ultra-leckeren Räucherkäse auf einem Antik-Markt gegessen. Abends haben wir ein Doppelzimmer genossen, das wir uns hatten leisten… müssen, denn alle Mehrbettzimmer waren belegt gewesen. Macht nichts!

Spendenbox

"CRACOVIA TOTIUS POLONIAE URBS CELEBERRIMA"

Nach unserem Umzug ins Zwölfbettzimmer am nächsten Tag haben wir eine touristische Tour durch die Stadt gemacht. Auf dem Wawel-Schloss lernt man nicht nur in lateinischen Inschriften auf Spendenboxen, dass Krakau die schönste Stadt in ganz Polen ist (siehe Foto), sondern hat auch einen tollen Blick auf das Umland. Übrigens: Schonmal einen moldauischen 1 Leu-Schein gesehen? Wir jetzt schon!

Abends machten wir den Fehler – bitte nicht falsch verstehen, die Völkerverständigung ist unter Backpackern in vollem Gange, aber manche Vorurteile bestätigen sich – uns auf die Planungssicherheit einiger Italiener zu verlassen. Sie führten uns vier Kilometer in die Innenstadt und über die Innenstadt hinaus zu einem coolen Club, wo… leider am Tag zuvor ein Konzert und an diesem Tag geschlossen war. Trotzdem haben wir noch einen coolen Abend in einem Irish Pub verbracht (den schließlich ein Deutscher gefunden hat).

Am nächsten Tag sind wir nach Oświęcim (auf Deutsch Auschwitz) gefahren. Die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz (Auschwitz I) und Birkenau (Auschwitz II) zu besuchen ist eine bedrückende Erfahrung. Vieles, das den meisten Besuchern unbekannt sein dürfte, wird dort gezeigt und berichtet. Besonders eindrucksvoll sind etwa ein Raum mit mehreren Zehntausend Schuhen, oder ein Raum mit dem aufgetürmten Haar von mehr als 120.000 kahlgeschorenen Menschen.

Birkenau

Ruinen in Auschwitz-Birkenau. Jeder backsteinerne Schornstein steht für eine nach dem Krieg abgerissene Holzbaracke für jeweils einige hundert Häftlinge.

TuchhallenEin leichtherzigerer und ein sehr schöner Ort sind die Tuchhallen von Krakau, in einem prunkvollen Gebäude mitten auf dem zentralen Marktplatz der Stadt. Hier haben wir nach Herzenslust nach Souvenirs geshoppt – im Klartext also, uns wie gute Touristen Ramsch und Nippes zu lustigen Preisen andrehen lassen.

Eine polnische Besonderheit möchte ich noch zeigen. An jedem Gebäude – ich habe in ganz Krakau vielleicht ein Dutzend Ausnahmen gesehen – ist das Logo einer privaten Sicherheitsfirma und der Hinweis, dass dieses Gebäude (oder sogar diese Markthütte) vonRoboter dieser Firma “geschützt” wird. Ab und an sah man auf der Straße in der Nähe solcher Gebäude – allerdings nur der großen und teuren – tatsächlich ein paar armselige Schutzfiguren herumstehen, die mehr wie ABM-Kräfte denn ausgebildete Sicherheitsleute wirkten. Einen widerlichen Auswuchs dieses “Sicherheits”-Fimmels möchte ich hier zeigen: Einen mit einer Kamera ausgestatteten Roboter, der über einen öffentlichen Platz zwischen dem Hauptbahnhof und der angeschlossenen Einkaufspassage herumfuhr. Hätte ich ein solches Gerät in Deutschland gesehen, wäre ich die Wände hoch- und wieder runtergelaufen. Eine private Firma, die beliebige Videoaufnahmen von beliebigen Menschen macht, die sich nicht einmal in einem der geschützten Gebäude befinden, und diese Aufnahmen wahrscheinlich noch speichert! Das ist so dermaßen falsch, dass George Orwell sicherlich bei etwa 5.000 Umdrehungen pro Minuten in seinem Grab angekommen ist.

Zum Schluss gibt es aber doch noch etwas Schönes! Wir zeigen euch ein Schlemmer-Menü, das wir aus einer polischen Leckereien-Stube für sagenhafte 12 Złoty bekommen haben. Das sind weniger als drei Euro, liebe Freunde und Verwandte!

Backwaren

Ein Sahneschiffchen, zwei Walnuss-Rumkugeln (eher Wodkakugeln) und eine Banane mit Schokoladenüberzug, Schoko-Sahnebett und Bizetboden.





Krakau: Polnische Besonderheiten

29 08 2009

Moin! Da wir in Krakau noch nicht alles gesehen haben und erst morgen Nacht nach Budapest fahren, gibt es heute für Euch eine Fotostrecke mit kleinen Besonderheiten, die uns in Polen begegnet sind.

Büffelbier

Bier mit Tier: Dieses Bier gibt's im polnischen Supermarkt. In Prag hatten wir schon eines mit einer Ziege auf dem Etikett. Es gibt auch ein polnisches mit einem Dackel - mal schauen, ob wir's noch finden. Man bemerke übrigens die Füllmenge!

Gulasch-Chips

Schonmal Chips mit Gulasch-Geschmack gehabt? Außerdem gesehen: Kebab-Chips.

Schildermann

Wir haben uns gefragt: "Ist das ein Job?" Die Antwort ist: Ja, das ist ein Job. Dieser Mann geht, wie einige andere in der Innenstadt, der Aufgabe nach, ein Schild zu halten. Der Fairness halber: Heute haben wir seine Dienste genutzt (als wir die Info suchten).

Suppe im Brot

Lustig wie auch lecker: In solchen "Brottöpfen" gibt es hier Suppe. Der Deckel, ebenfalls aus Teig, ist in diesem Bild schon gegessen! Dieses Gericht hatten wir auch schon in Prag gesehen.

Bagelfrau

Spottbillig und lecker! Für maximal 1,50 Złoty (weniger als 40 Eurocent) gibt es hier große, leckere Bäckereiprodukte. Es ist in Krakau fast unmöglich, 500 Meter zu gehen, ohne auf eines dieser Wägelchen zu stoßen.

Zum Schluss habe ich noch eine Besonderheit, die wohl nur auf so improvisierten Reisen wie der unseren zu finden ist: Eine Wäscheleine aus einer Schnur, die zwischen den oberen Teilen zweier Hochbetten gespannt ist. Ich bedanke mich an dieser Stelle herzlichst für Lauras Tipp vor unserer Reise: “Nehmt Schnur mit! Das ist das Nützlichste überhaupt!”

Wäschegelöt








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