Tach! Müde von einem weiteren schönen aber anstrengenen Tag in Budapest, wollen wir jetzt endlich mal dazu kommen, Euch von Krakau zu erzählen!
An unserem ersten Tag haben wir nicht viel geschafft. Die Reise in unserem Deluxe-Liegeabteil (siehe Foto) hinterließ bei Anna das tiefsitzende Bedürfnis, mehrere Mittagsschläfchen einzulegen. Trotzdem haben wir einen Spaziergang durch die Stadt gemacht und dabei einen ultra-leckeren Räucherkäse auf einem Antik-Markt gegessen. Abends haben wir ein Doppelzimmer genossen, das wir uns hatten leisten… müssen, denn alle Mehrbettzimmer waren belegt gewesen. Macht nichts!
Nach unserem Umzug ins Zwölfbettzimmer am nächsten Tag haben wir eine touristische Tour durch die Stadt gemacht. Auf dem Wawel-Schloss lernt man nicht nur in lateinischen Inschriften auf Spendenboxen, dass Krakau die schönste Stadt in ganz Polen ist (siehe Foto), sondern hat auch einen tollen Blick auf das Umland. Übrigens: Schonmal einen moldauischen 1 Leu-Schein gesehen? Wir jetzt schon!
Abends machten wir den Fehler – bitte nicht falsch verstehen, die Völkerverständigung ist unter Backpackern in vollem Gange, aber manche Vorurteile bestätigen sich – uns auf die Planungssicherheit einiger Italiener zu verlassen. Sie führten uns vier Kilometer in die Innenstadt und über die Innenstadt hinaus zu einem coolen Club, wo… leider am Tag zuvor ein Konzert und an diesem Tag geschlossen war. Trotzdem haben wir noch einen coolen Abend in einem Irish Pub verbracht (den schließlich ein Deutscher gefunden hat).
Am nächsten Tag sind wir nach Oświęcim (auf Deutsch Auschwitz) gefahren. Die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz (Auschwitz I) und Birkenau (Auschwitz II) zu besuchen ist eine bedrückende Erfahrung. Vieles, das den meisten Besuchern unbekannt sein dürfte, wird dort gezeigt und berichtet. Besonders eindrucksvoll sind etwa ein Raum mit mehreren Zehntausend Schuhen, oder ein Raum mit dem aufgetürmten Haar von mehr als 120.000 kahlgeschorenen Menschen.

Ruinen in Auschwitz-Birkenau. Jeder backsteinerne Schornstein steht für eine nach dem Krieg abgerissene Holzbaracke für jeweils einige hundert Häftlinge.
Ein leichtherzigerer und ein sehr schöner Ort sind die Tuchhallen von Krakau, in einem prunkvollen Gebäude mitten auf dem zentralen Marktplatz der Stadt. Hier haben wir nach Herzenslust nach Souvenirs geshoppt – im Klartext also, uns wie gute Touristen Ramsch und Nippes zu lustigen Preisen andrehen lassen.
Eine polnische Besonderheit möchte ich noch zeigen. An jedem Gebäude – ich habe in ganz Krakau vielleicht ein Dutzend Ausnahmen gesehen – ist das Logo einer privaten Sicherheitsfirma und der Hinweis, dass dieses Gebäude (oder sogar diese Markthütte) von
dieser Firma “geschützt” wird. Ab und an sah man auf der Straße in der Nähe solcher Gebäude – allerdings nur der großen und teuren – tatsächlich ein paar armselige Schutzfiguren herumstehen, die mehr wie ABM-Kräfte denn ausgebildete Sicherheitsleute wirkten. Einen widerlichen Auswuchs dieses “Sicherheits”-Fimmels möchte ich hier zeigen: Einen mit einer Kamera ausgestatteten Roboter, der über einen öffentlichen Platz zwischen dem Hauptbahnhof und der angeschlossenen Einkaufspassage herumfuhr. Hätte ich ein solches Gerät in Deutschland gesehen, wäre ich die Wände hoch- und wieder runtergelaufen. Eine private Firma, die beliebige Videoaufnahmen von beliebigen Menschen macht, die sich nicht einmal in einem der geschützten Gebäude befinden, und diese Aufnahmen wahrscheinlich noch speichert! Das ist so dermaßen falsch, dass George Orwell sicherlich bei etwa 5.000 Umdrehungen pro Minuten in seinem Grab angekommen ist.
Zum Schluss gibt es aber doch noch etwas Schönes! Wir zeigen euch ein Schlemmer-Menü, das wir aus einer polischen Leckereien-Stube für sagenhafte 12 Złoty bekommen haben. Das sind weniger als drei Euro, liebe Freunde und Verwandte!








