Pergamon, Ephesos und Σαμος

31 08 2011

Hotel Pythagoras auf Samos: Michael beschwert sich beim Zimmerservice über die Temperaturen in Griechenland

Hier gibt es nun, wie versprochen, unsere Erlebnisse aus Pergamon und Ephesos, υνδ δανν κομμτ υνσερ Βεριχτ φον Σαμος.

Da die alten Griechen ihre Städte offenbar besonders gerne auf Bergen gebaut haben, herrschte in Pergamon so wie in Ephesus eine furchtbare Hitze – von Schatten keine Spur.

In Pergamon sind wir mit einer sehr moderen Seilbahn zu der Ausgrabungsstätte hinaufgefahren. Zur Seilbahnstation sind wir vom Besitzer unseres Hostels mit dem Motorrad gebracht worden. Anna sah sich während der Motorradfahrt mehrmals dem Vorwurf ausgesetzt, sie sei “not relaxed!” – eine Erwiderung blieb aus, da sie sich um ihr Leben festklammerte.

Hier ist angeblich seit den 70ern eine Rekonstruktion im Gange...

Nachdem wir heil beim antiken Pergamon angekommen waren, haben wir vergeblich versucht, einen uns beschriebenen Hintereingang zu finden, um uns den Eintritt zu sparen. Leider scheiterten wir, und hatten den Berg einmal umrundet, als uns glücklicherweise die beiden Franzosen aus unserem Hostel entgegenkamen und wieder mit hoch genommen haben.

40 Lira ärmer, mussten wir leider einige Stunden später feststellen, dass von Pergamon nicht viel mehr als das Theater und ein paar Säulen übrig sind, von der Rekonstruktion kaum etwas zu sehen ist, und dass die Dokumentation der gesamten Stätte lächerlich schlecht ist  – statt z.B. einer anständigen Übersichtskarte erfährt man auf Infotafeln, dass “hinter oberster Quaderschicht und Zahnschnittgesims ein Stahlbetonbalken verläuft, der in jedem zweiten Säulenjoch mit einem rechtwinklig zum Fels zurückreichenden Stichbalken von 5 m Länge verbunden ist.” Ach so.

Die beiden Franzosen, "Baba" der Hostelinhaber und wir

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem gemeinsamen Frühstück mit dem Hostelbesitzer und einem Abschiedsphoto zusammen mit 2 Franzosen nach Ephesus.  Die beiden bestätigten übrigens sehr eindrucksvoll, dass Franzosen wirklich kaum Englisch sprechen können – schon auf Englisch bis 10 zu zählen fiel ihnen schwer – zum anderen zeigten sie wohl eine Art südländisches Machoverhalten, als sie völlig aus dem Häuschen waren, dass Michael – und nicht Anna – nach dem Essen abgewaschen hat. Die Autofahrt mit den beiden war sehr angenehm und für uns quasi richtig Urlaub. Michael hat sich noch Tage später gefreut, einen ganzen Tag funktionierendes “Französisch für Fußgänger” aus Hörensagen und Spansichkenntnissen zusammengeklebt zu haben.

Blick über Teile von Ephesos und Horden von Touristen auf die Celsus-Bibliothek

In Ephesus konnten wir nun deutlich mehr an alten Ruinen bewundern als in Pergamon, besonders die Celsusbibliothek war von außen noch recht gut erhalten. Besonders lange musste immer auf Michael gewartet werden, der sämtliche römische Inschriften übersetzen oder zumindest fotographieren wollte.

Unser Tipp an jeden, der sich einmal zwischen der Besichtigung von Pergamon oder Ephesos entscheiden muss: Ephesos!

Dann haben wir uns noch das Haus der Heiligen Maria angeschaut und, wenn man nicht extreme katholische Ansichten pflegt und jedes vom Vatikan für “heilig” erklärte Gerümpel anbetet, kann man sich das getrost schenken. Die Franzosen haben sich tausendmal bei uns entschuldigt, uns dorthin gebracht zu haben, als auch sie von der Lieblosigkeit des Orts und der kräftigen Abzocke im Namen des Herrn bitter enttäuscht waren.

Auf dem Parkplatz der heiligen Jungfrau Maria. "Look, Holy Mary Waste Bin!", meinte unser erboster Franzose.

Übernachtet haben wir dann in Selçuk. Der Ort ist zwar sehr klein, lebt aber dank Ephesos trotzdem vom Tourismus. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, bekommt man also nicht gerade die Local Rate. Somit haben wir uns einen freien Tag auf der super schönen Dachterrasse unseres Guesthouses gemacht, um die weitere Reise durch Griechenland zu planen.

Heute haben wir uns doch keinen Roller gemietet, denn eine sehr freundiche Frau bei der Vermietung hat mir davon abgeraten, da ich keine Erfahrung mit Zweirädern habe. Viele Jüngere versuchten das auf Samos, landeten aber im Krankenhaus, gerade da zur Zeit starker verkehr herrsche. Wir zogen es vor, in unserem Hotel neben dem Krankenhaus zu schlafen, und sind zur Beratung in das Ticket-Büro gegangen, in dem wir die Karten nach Athen gekauft hatten. Der wunderbar freundliche Mann dort empfahl uns seinen Lieblingsstrand und erkärte uns den Weg zum Bus. An der Haltestelle haben wir uns noch eine Weile mit Ares, einem Busfahrer unterhalten. Er erklärte uns unter anderem, dass Olivenöl wie natürliches Viagra wirkt, ein wesentlicher Beitrag zum langen uns gesunden Leben der Griechen!

Der Strand in Potokaki

Der Strand schließlich war wunderschön, und wir haben stundenlang das getan, was man an einem wunderschönen Strand so tut. Wunderbar!

Jetzt kann Athen kommen, eine neue Großstadt, die wir gern weniger von der historischen Seite, als aus dem Blickwinkel der heutigen Bewohner betrachten wollen. Auf Samos haben uns die Lebensmittelpreise die Schuhe ausgezogen – zum Teil kosten hier Lebensmittel wie Käse, Honig und Brot selbst im normalen, nicht-touristischen Supermarkt das Doppelte (!) der durchschnittlichen Preise in Deutschland. Wir wollen wissen, ob das überall in Griechenland so aussieht, und wie die Leute damit zurechtkommen.





Unsere erste Überlandbusfahrt nach Bergama

27 08 2011

Chaos zusammenpacken!

Vorgerstern haben wir Istanbul leider wieder verlassen. Am Morgen unseres letzten Tags haben wir mit Mikael, einem Ägypter auf Geschäftsreise in unserem Hostel, die Revolutionen in Ägypten, Tunesien, Libyen und Syrien mit einem Vokabular von fünf Worten durchgesprochen – seine Englischkenntnisse war alles andere als umfangreich, aber mit Worten wie “friend” und “problem” konnten wir schon komplexe Zusammenhänge darlegen: “Berlusconi and Gaddafi – friend!” oder auch “Al-Assad and Ahmadinedschad friend – problem!”. Auf die Frage, woher ich die Zusammenhänge im Nahen Osten kenne,  konnte ich beherzt sagen: Al Jazzera! Das fand er furchtbar lustig und meinte, dass die Ägypter hauptsächlich Nil-TV sehen, der die Revolution beinahe totgeschwiegen hätte. Ich habe von ihm schließlich das größte Lob bekommen: Für einen Christen* aus Europa wäre ich enorm gut informiert :) Mikael selbst aber, daher auch der Name, war auch Christ, nämlich Kopte. Deshalb wollte er auch lieber Kirchen als Moscheen sehen, zu denen wir ihm den Weg gezeigt haben.

*Nachtrag: Wie das bei Anna und mir mit dem Glauben ist, führe ich in Gesprächen meistens nicht im Detail aus. Gerade für sehr gläubige Muslime ist es gerade noch einzusehen, dass man in Deutschland Christ ist, wohingegen es die meisten überfordert, wenn jemand gar keinen Glauben hat. Anna findet es immer furchtbar lustig, wenn ich auf die Frage nach meiner Religion nicht die ganze Wahrheit sage, sondern nur erkläre: Ich komme aus Deutschland, und dort sind die meisten Leute Christen. Gewusst wie ;-)

Jedes der bunten Schilder ist ein anderes Transportunternehmen! Man sieht hier etwa ein Fünftel ...

Nachdem wir uns am Abend von allen verabschiedetet hatten, ging es mit Tram und Metro zum Otogar, also zum Busbahnhof.  Als wir angekommen waren – wir hatten eine Stunde extra eingeplant, da die Umsteigmöglichkeiten in Istanbul oft nicht so direkt sind, wie es auf dem Fahrplan suggeriert wird -  offenbarte sich der Otogar als eine bunte Mischung aus ca. 65 verschiedenen Busunternehmen. Vor jedem Laden stand ein Mitarbeiter der fleißig alle Verbindungen mit noch freien Sitzplützen ausrief.  Zum Glück hatten wir bereits Tickets!

Jedermann und sein Cousin verreisen, Hausstand inklusive!

Hinter der Ladenreihe kamen dann die eigentlichen Abfahrts-”Gleise” (das Wort hier, “peron”, ist tatsächlich dasselbe wie für “Gleis”).  Hier warteten wir dann noch gut eine halbe Stunde und mit uns noch hunderte andere, die, so schien es uns, alle sowohl ihren ganzen Hausrat wie auch sämtliche Kinder dabei hatten.

Als wir allerdings in unseren Bus stiegen, fanden wir uns sofort in einer ganz anderen Welt wieder.  Der Bus war bestens ausgestattet; jeder hatte einen eigenen Bildschirm, um Fernsehen und Filme zu schauen. Der Bildschirm hatte USB-Anschlüsse für eigene Musik und Filme, und fürs Fernsehen konnte man zwischen den Sendern eines DVB-T-Transponders wählen. Der Service reichte mit Freigetränken und Snacks fast an eine Flugreise heran.

In jeder Sitzlehne: Ein Unterhaltungssystem mit Filmen, Musik und Fernsehen

Wieder einmal zeigen türkische Unternehmer uns Westeuropäern, wo es langgeht: Eigene Medienunterhaltungssysteme für jeden Fahrgast in Flugzeugen, Bussen und Zügen, und das nicht nur in der ersten Klasse. Dass sowas nicht viel kostet, kann man seit Jahren auf der Cebit sehen, also warum nicht mal ein Verkehrsmittel damit ausstatten? In Istanbul gab es sogar ein stadteigenes, kosteloses WLAN im großen Park vor der Blauen Moschee. Ich glaube, in Deutschland hält uns in diesen Dingen nicht die Technik oder das Geld, sondern die Skepsis gegenüber den neuen Technologien zurück, was jammerschade ist. Die Türkei zeigt wie es geht!

Unsere Fähre fuhr immer in der Nähe der Schwesterfähre über das Marmara-Meer, die hier zu sehen ist.

Nach ca. 3 Stunden Fahrt stellten wir erstaunt fest, dass es nun offensichtlich per Fähre weitergeht, und nach weiteren 3 Stunden fanden wir uns auf einem Rastplatz wieder, der gänzlich – von den Tolietten über den Dönerladen bis zum Supermarkt – von dem Busunternehmen unterhalten wurde, mit dem wir unterwegs waren.  Ein bisschen gruselig war es: Metro-Angestellte, Metro-Ayran, Metro-Döner, Metro-Busse.

Um kurz vor acht waren wir schließlich am Otogar in Bergama angekommen! Unser Hostel zu finden, war allerdings nicht einfach, da wir aus der Wikitravel im Internet nur wussten: Gleich nördlich vom Otogar. Nach einigem Rumfragen bei den Ortsansässigen sind wir erstmal ohne Plan nach Norden losgelaufen. Plötzlich holte uns von hinten jemand ein und nannte uns den Weg – wir waren offenbar Ortsgespräch geworden und man hatte uns helfen wollen!

Im Citi Hostel in Bergama

Bei unseren Nachfragen nach dem Weg zeigte sich die türkische Mentalität, Entfernungen konsequent zu unterschätzen: Der Weg beträgt 800 Meter und wurde uns zunächst als 100 Meter genannt. Bei 400 Metern wurden uns 200 Meter angekündigt, und bei 150 Metern waren es noch 30 Meter. Aber nichtsdestotrotz sind wir angekommen, im Citi Hostel, einem maximal entspannten kleinen Laden, der von einem durchgeknallten Türkisch-Australier betrieben wird. Hier haben wir ein Doppelzimmer mit Ehebett und Frühstück für 12 Euro pro Nacht und Nase, was nach den 15 Euro in Instanbul für Betten im 6er-Schlafraum ein echtes Schnäppchen ist.

Von unserem Besuch in der antiken Stadt Pergamon schreiben wir auch noch, wenn wir Efesos besucht haben! Dort geht es morgen mit zwei Franzosen hin, die wir hier im Hostle kennengelernt haben, und die ebenfalls dorthin wollen. Wir werden von ihnen im Auto mitgenommen und sparen so eine Busreise. Bis bald also!








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