Gestern sind wir mit der ΝΙΣΟΣ ΜΥΚΟΝΟΣ (“Nissos Mykonos”), einem großen Passagierschiff, das tagtäglich die 9-stündige Fahrt von Samos nach Athen macht, wieder auf dem europäischen Festland gelandet.
Auf ihrer Route nimmt das Schiff zahreiche kleinere griechische Inseln mit, wobei für uns die vermentlich so kleinen und nah beieinanderliegenden Inseln angesichts der langen Fahrzeiten doch recht groß und weit auseinander wirken.
Was wir auf Samos zurückließen und auf keiner der anderen Inseln mehr gesehen haben, war das Zoll- und Militärtheater angesichts der Nähe zur EU-Außengrenze. Samos liegt an der engsten Stelle nur drei Kilometer vor dem türkischen Festland. Ständig kurven Kleinlaster der Armee überall rauf und runter, so viele, dass wir ständig gesehen haben, wie sich die Wege zweier von ihnen kreuzten. Die schlimmste Demonstration militärischer Macht war schließlich ein riesiger, fetter Militärhubschrauber, der sich träge dicht über dem sonnigen Südstrand dahinschob. All das dient wahrscheinlich weniger der konkreten Abwehr von Flüchtlingen, die aus der Türkei kommen, sondern soll zeigen: Ihr seid hier nicht willkommen, und versucht ihr es doch, habt ihr keine Chance.
Zurück zu unserer Fahrt auf der Nissos Mykonos: Dass die Entfernungen zwischen den Inseln beträchtlich sind, mussten vor allem drei gackernde Tussis aus den USA feststellen, als sie Mykonos nach ihrem verpassten Ausstieg nur noch von der Heck-Plattform betrachten konnten und zwei Stunden lang zusahen, wie sie kleiner wurde. Auf Saxos schließlich, von wo man Mykonos noch gut am Horizont sehen kann, stiegen sie aus und hofften auf eine Rückfahrt am gleichen Tag. Ob sie Glück hatten, wissen wir nicht.
Der Aufenthalt auf der Nissos Mykonos selbst war wenig angenehm, wobei natürlich die Aussicht Einiges wettmachte. Selbst ein “Freiluftdeck” kann unerträglich zugequalmt sein – etwa die Hälfte aller Emissionen des Schiffs kommt nach vorsichtigen Schätzungen von rauchenden Passagieren. Auch, dass von vier Toiletten genau eine ein funktionierendes Schloss hatte, war weniger erfreulich.

Wie eine Kriegsflotte: Dutzende Tank- und Frachtschiffe vor Piräus, alle in die gleiche Richtung unterwegs
Am frühen Abend liefen wir dann im Hafen von Piräus ein – zur Einstimmung hatte Michael am Morgen Anna mit dem bekannten themenverwandten Schlager verrückt gemacht.
Im Hafen angekommen fanden wir glücklicherweise ein kostenloses Shuttle zur Metro. Diese wird heute zum Teil bestreikt und ist in den nächsten Tagen wegen Bauarbeiten gesperrt, sodass wir uns gegen das Wochenticket entschieden haben
Erfreulich ist, dass selbst für ausländische Studenten wie uns die Einzelfahrt nur die Hälfte (€ 0,70) kostet. Als wir dann auch noch auf einen planmäßigen Umstieg auf ein und derselben Linie reingefallen sind (wie bis vor wenigen Jahren in Hamburg auf der U3 nach Osten) und wegen einer Baustelle zweimal umsteigen mussten, um zurückzukommen, wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt.
Aber wir haben die gute Laune nicht verloren: Das Hostel Aphrodite, nahe der “Problemviertel” Omonia und Exarchia, haben wir dank freundlicher Hilfe von Athenern schnell gefunden. Hier tummeln sich insbesondere nachts viele Afrikaner und Afghanen. Davon zeugte vor allem eine kostenlose Sanitätsmission auf dem zentralen Viktoria-Platz, denn der Krankenwagen war auch im arabischen Alphabet beschriftet, wie überhaupt viele Läden in dieser Gegend (dabei kann ich leider geschriebenes Arabisch, Persisch und Paschtun noch nicht auseinanderhalten).

V.r.n.l.: Zweimal Kilo-, dann Paketpreise. Γαλαξια ist offenbar die Billigmarke (!) des gleichnamigen Supermarktes.
Heute ist uns nebenbei klargeworden: Die horrenden Lebenshaltungskosten waren nicht nur eine Besonderheit der Insel Samos, etwa wegen großer Lieferwege. Auch hier, in einem stinknormalen Supermarkt, kosten einfachste Lebensmittel wie Käse und Brot im Schnitt deutlich mehr als in Deutschland, Kosmetika wie Shampoo und Seife gehen ab dem Doppelten des uns bekannten Preises erst los, Süßigkeiten sowie Honig und Marmeladen ebenfalls.
Ob das eine neue Entwicklung in Griechenland, oder ein bekanntes Phänomen und für die Menschen kein großes Problem ist, hoffen wir in Gesprächen demnächst in Erfahrung zu bringen.











