In Athen angekommen

2 09 2011

In Samos' winzigem Hafen sagt die Nissos Mykonos eindrucksvoll: Ein Schiff ist da!

Gestern sind wir mit der ΝΙΣΟΣ ΜΥΚΟΝΟΣ (“Nissos Mykonos”), einem großen Passagierschiff, das tagtäglich die 9-stündige Fahrt von Samos nach Athen macht, wieder auf dem europäischen Festland gelandet.

Auf ihrer Route nimmt das Schiff zahreiche kleinere griechische Inseln mit, wobei für uns die vermentlich so kleinen und nah beieinanderliegenden Inseln angesichts der langen Fahrzeiten doch recht groß und weit auseinander wirken.

Boote der Küstenwache waren noch die harmlosesten Spielzeuge

Was wir auf Samos zurückließen und auf keiner der anderen Inseln mehr gesehen haben, war das Zoll- und Militärtheater angesichts der Nähe zur EU-Außengrenze. Samos liegt an der engsten Stelle nur drei Kilometer vor dem türkischen Festland. Ständig kurven Kleinlaster der Armee überall rauf und runter, so viele, dass wir ständig gesehen haben, wie sich die Wege zweier von ihnen kreuzten. Die schlimmste Demonstration militärischer Macht war schließlich ein riesiger, fetter Militärhubschrauber, der sich träge dicht über dem sonnigen Südstrand dahinschob. All das dient wahrscheinlich weniger der konkreten Abwehr von Flüchtlingen, die aus der Türkei kommen, sondern soll zeigen: Ihr seid hier nicht willkommen, und versucht ihr es doch, habt ihr keine Chance.

Auf dem "Arme-Leute-Deck" der Nissos Mykonos: Abfall, Kippen, Plastikstühle.

Zurück zu unserer Fahrt auf der Nissos Mykonos: Dass die Entfernungen zwischen den Inseln beträchtlich sind, mussten vor allem drei gackernde Tussis aus den USA feststellen, als sie Mykonos nach ihrem verpassten Ausstieg nur noch von der Heck-Plattform betrachten konnten und zwei Stunden lang zusahen, wie sie kleiner wurde. Auf Saxos schließlich, von wo man Mykonos noch gut am Horizont sehen kann, stiegen sie aus und hofften auf eine Rückfahrt am gleichen Tag. Ob sie Glück hatten, wissen wir nicht.

Der Aufenthalt auf der Nissos Mykonos selbst war wenig angenehm, wobei natürlich die Aussicht Einiges wettmachte. Selbst ein “Freiluftdeck” kann unerträglich zugequalmt sein – etwa die Hälfte aller Emissionen des Schiffs kommt nach vorsichtigen Schätzungen von rauchenden Passagieren. Auch, dass von vier Toiletten genau eine ein funktionierendes Schloss hatte, war weniger erfreulich.

Wie eine Kriegsflotte: Dutzende Tank- und Frachtschiffe vor Piräus, alle in die gleiche Richtung unterwegs

Am frühen Abend liefen wir dann im Hafen von Piräus ein – zur Einstimmung hatte Michael am Morgen Anna mit dem bekannten themenverwandten Schlager verrückt gemacht.

Im Hafen angekommen fanden wir glücklicherweise ein kostenloses Shuttle zur Metro. Diese wird heute zum Teil bestreikt und ist in den nächsten Tagen wegen Bauarbeiten gesperrt, sodass wir uns gegen das Wochenticket entschieden haben ;-) Erfreulich ist, dass selbst für ausländische Studenten wie uns die Einzelfahrt nur die Hälfte (€ 0,70) kostet. Als wir dann auch noch auf einen planmäßigen Umstieg auf ein und derselben Linie reingefallen sind (wie bis vor wenigen Jahren in Hamburg auf der U3 nach Osten) und wegen einer Baustelle zweimal umsteigen mussten, um zurückzukommen, wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt.

Hostel Aphrodite: Michael ist angeichts der Temperaturen froh, dass der Fön mit Kaltluft läuft.

Aber wir haben die gute Laune nicht verloren: Das Hostel Aphrodite, nahe der “Problemviertel” Omonia und Exarchia, haben wir dank freundlicher Hilfe von Athenern schnell gefunden. Hier tummeln sich insbesondere nachts viele Afrikaner und Afghanen. Davon zeugte vor allem eine kostenlose Sanitätsmission auf dem zentralen Viktoria-Platz, denn der Krankenwagen war auch im arabischen Alphabet beschriftet, wie überhaupt viele Läden in dieser Gegend (dabei kann ich leider geschriebenes Arabisch, Persisch und Paschtun noch nicht auseinanderhalten).

V.r.n.l.: Zweimal Kilo-, dann Paketpreise. Γαλαξια ist offenbar die Billigmarke (!) des gleichnamigen Supermarktes.

Heute ist uns nebenbei klargeworden: Die horrenden Lebenshaltungskosten waren nicht nur eine Besonderheit der Insel Samos, etwa wegen großer Lieferwege. Auch hier, in einem stinknormalen Supermarkt, kosten einfachste Lebensmittel wie Käse und Brot im Schnitt deutlich mehr als in Deutschland, Kosmetika wie Shampoo und Seife gehen ab dem Doppelten des uns bekannten Preises erst los, Süßigkeiten sowie Honig und Marmeladen ebenfalls.

Ob das eine neue Entwicklung in Griechenland, oder ein bekanntes Phänomen und für die Menschen kein großes Problem ist, hoffen wir in Gesprächen demnächst in Erfahrung zu bringen.





Pergamon, Ephesos und Σαμος

31 08 2011

Hotel Pythagoras auf Samos: Michael beschwert sich beim Zimmerservice über die Temperaturen in Griechenland

Hier gibt es nun, wie versprochen, unsere Erlebnisse aus Pergamon und Ephesos, υνδ δανν κομμτ υνσερ Βεριχτ φον Σαμος.

Da die alten Griechen ihre Städte offenbar besonders gerne auf Bergen gebaut haben, herrschte in Pergamon so wie in Ephesus eine furchtbare Hitze – von Schatten keine Spur.

In Pergamon sind wir mit einer sehr moderen Seilbahn zu der Ausgrabungsstätte hinaufgefahren. Zur Seilbahnstation sind wir vom Besitzer unseres Hostels mit dem Motorrad gebracht worden. Anna sah sich während der Motorradfahrt mehrmals dem Vorwurf ausgesetzt, sie sei “not relaxed!” – eine Erwiderung blieb aus, da sie sich um ihr Leben festklammerte.

Hier ist angeblich seit den 70ern eine Rekonstruktion im Gange...

Nachdem wir heil beim antiken Pergamon angekommen waren, haben wir vergeblich versucht, einen uns beschriebenen Hintereingang zu finden, um uns den Eintritt zu sparen. Leider scheiterten wir, und hatten den Berg einmal umrundet, als uns glücklicherweise die beiden Franzosen aus unserem Hostel entgegenkamen und wieder mit hoch genommen haben.

40 Lira ärmer, mussten wir leider einige Stunden später feststellen, dass von Pergamon nicht viel mehr als das Theater und ein paar Säulen übrig sind, von der Rekonstruktion kaum etwas zu sehen ist, und dass die Dokumentation der gesamten Stätte lächerlich schlecht ist  – statt z.B. einer anständigen Übersichtskarte erfährt man auf Infotafeln, dass “hinter oberster Quaderschicht und Zahnschnittgesims ein Stahlbetonbalken verläuft, der in jedem zweiten Säulenjoch mit einem rechtwinklig zum Fels zurückreichenden Stichbalken von 5 m Länge verbunden ist.” Ach so.

Die beiden Franzosen, "Baba" der Hostelinhaber und wir

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem gemeinsamen Frühstück mit dem Hostelbesitzer und einem Abschiedsphoto zusammen mit 2 Franzosen nach Ephesus.  Die beiden bestätigten übrigens sehr eindrucksvoll, dass Franzosen wirklich kaum Englisch sprechen können – schon auf Englisch bis 10 zu zählen fiel ihnen schwer – zum anderen zeigten sie wohl eine Art südländisches Machoverhalten, als sie völlig aus dem Häuschen waren, dass Michael – und nicht Anna – nach dem Essen abgewaschen hat. Die Autofahrt mit den beiden war sehr angenehm und für uns quasi richtig Urlaub. Michael hat sich noch Tage später gefreut, einen ganzen Tag funktionierendes “Französisch für Fußgänger” aus Hörensagen und Spansichkenntnissen zusammengeklebt zu haben.

Blick über Teile von Ephesos und Horden von Touristen auf die Celsus-Bibliothek

In Ephesus konnten wir nun deutlich mehr an alten Ruinen bewundern als in Pergamon, besonders die Celsusbibliothek war von außen noch recht gut erhalten. Besonders lange musste immer auf Michael gewartet werden, der sämtliche römische Inschriften übersetzen oder zumindest fotographieren wollte.

Unser Tipp an jeden, der sich einmal zwischen der Besichtigung von Pergamon oder Ephesos entscheiden muss: Ephesos!

Dann haben wir uns noch das Haus der Heiligen Maria angeschaut und, wenn man nicht extreme katholische Ansichten pflegt und jedes vom Vatikan für “heilig” erklärte Gerümpel anbetet, kann man sich das getrost schenken. Die Franzosen haben sich tausendmal bei uns entschuldigt, uns dorthin gebracht zu haben, als auch sie von der Lieblosigkeit des Orts und der kräftigen Abzocke im Namen des Herrn bitter enttäuscht waren.

Auf dem Parkplatz der heiligen Jungfrau Maria. "Look, Holy Mary Waste Bin!", meinte unser erboster Franzose.

Übernachtet haben wir dann in Selçuk. Der Ort ist zwar sehr klein, lebt aber dank Ephesos trotzdem vom Tourismus. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, bekommt man also nicht gerade die Local Rate. Somit haben wir uns einen freien Tag auf der super schönen Dachterrasse unseres Guesthouses gemacht, um die weitere Reise durch Griechenland zu planen.

Heute haben wir uns doch keinen Roller gemietet, denn eine sehr freundiche Frau bei der Vermietung hat mir davon abgeraten, da ich keine Erfahrung mit Zweirädern habe. Viele Jüngere versuchten das auf Samos, landeten aber im Krankenhaus, gerade da zur Zeit starker verkehr herrsche. Wir zogen es vor, in unserem Hotel neben dem Krankenhaus zu schlafen, und sind zur Beratung in das Ticket-Büro gegangen, in dem wir die Karten nach Athen gekauft hatten. Der wunderbar freundliche Mann dort empfahl uns seinen Lieblingsstrand und erkärte uns den Weg zum Bus. An der Haltestelle haben wir uns noch eine Weile mit Ares, einem Busfahrer unterhalten. Er erklärte uns unter anderem, dass Olivenöl wie natürliches Viagra wirkt, ein wesentlicher Beitrag zum langen uns gesunden Leben der Griechen!

Der Strand in Potokaki

Der Strand schließlich war wunderschön, und wir haben stundenlang das getan, was man an einem wunderschönen Strand so tut. Wunderbar!

Jetzt kann Athen kommen, eine neue Großstadt, die wir gern weniger von der historischen Seite, als aus dem Blickwinkel der heutigen Bewohner betrachten wollen. Auf Samos haben uns die Lebensmittelpreise die Schuhe ausgezogen – zum Teil kosten hier Lebensmittel wie Käse, Honig und Brot selbst im normalen, nicht-touristischen Supermarkt das Doppelte (!) der durchschnittlichen Preise in Deutschland. Wir wollen wissen, ob das überall in Griechenland so aussieht, und wie die Leute damit zurechtkommen.





Kurzmeldung: Auf Samos!

30 08 2011

Obwohl sich unsere Planung in einem engen Spektrum zwischen “mangelhaft” und “nicht vorhanden” bewegte, sind wir wohlbehalten auf Samos angekommen, wo wir heute mit der Fähre von Kuşadası (einem grauenhaften Touristenghetto) angekommen sind, und nachdem wir zwei Tage in Selçuk (einem grauenhaften Touristenkaff) verbracht haben.

Das lustigste an der ganzen Reise war eine niederländische Familie von Pauschlatouristen. Vater hob offenbar zum ersten Mal während des Urlaubs türkische Lira ab und echauffierte sich dann maßlos über den Busfahrer, der ihm einen vermeintlich betrügerischen Wechselkurs unterjubeln wollte. “Der Umrechnungsfaktor ist 2!”, da war er sich sicher. Zu dumm: Er ist 2,55, und weil Papa den ganzen bisherigen Urlaub nur in Euro bezahlt hat, und weil Papa weder Internet, noch Fernsehen, noch Bank, noch irgendeinen vertrauenswürdigen Menschen mal zum Wechselkurs befragt hat, hat er sich tagelang schön über den Tisch ziehen lassen und überall 20% zuviel bezahlt. Da überraschte es wenig, dass auch noch die Fährreise der Familie gefährdet war, weil Sohnemanns Visum noch im Hotel lag – nach Samos geschafft haben sie’s aber noch.

Dort haben wir dann ein überraschend günstiges Zimmer gefunden und uns entschlossen, zwei Nächte zu bleiben und morgen einen Roller zu mieten, um die Insel zu erkunden. Heute haben wir ein japanisches Mädchen kennengelernt und waren zusammen Essen und Baden. Sie fährt morgen früh leider schon wieder weiter. Dann berichten wir auch wieder ausführlich!

Chiaki, Anna und Michael








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