Vorgerstern haben wir Istanbul leider wieder verlassen. Am Morgen unseres letzten Tags haben wir mit Mikael, einem Ägypter auf Geschäftsreise in unserem Hostel, die Revolutionen in Ägypten, Tunesien, Libyen und Syrien mit einem Vokabular von fünf Worten durchgesprochen – seine Englischkenntnisse war alles andere als umfangreich, aber mit Worten wie “friend” und “problem” konnten wir schon komplexe Zusammenhänge darlegen: “Berlusconi and Gaddafi – friend!” oder auch “Al-Assad and Ahmadinedschad friend – problem!”. Auf die Frage, woher ich die Zusammenhänge im Nahen Osten kenne, konnte ich beherzt sagen: Al Jazzera! Das fand er furchtbar lustig und meinte, dass die Ägypter hauptsächlich Nil-TV sehen, der die Revolution beinahe totgeschwiegen hätte. Ich habe von ihm schließlich das größte Lob bekommen: Für einen Christen* aus Europa wäre ich enorm gut informiert
Mikael selbst aber, daher auch der Name, war auch Christ, nämlich Kopte. Deshalb wollte er auch lieber Kirchen als Moscheen sehen, zu denen wir ihm den Weg gezeigt haben.
*Nachtrag: Wie das bei Anna und mir mit dem Glauben ist, führe ich in Gesprächen meistens nicht im Detail aus. Gerade für sehr gläubige Muslime ist es gerade noch einzusehen, dass man in Deutschland Christ ist, wohingegen es die meisten überfordert, wenn jemand gar keinen Glauben hat. Anna findet es immer furchtbar lustig, wenn ich auf die Frage nach meiner Religion nicht die ganze Wahrheit sage, sondern nur erkläre: Ich komme aus Deutschland, und dort sind die meisten Leute Christen. Gewusst wie
Nachdem wir uns am Abend von allen verabschiedetet hatten, ging es mit Tram und Metro zum Otogar, also zum Busbahnhof. Als wir angekommen waren – wir hatten eine Stunde extra eingeplant, da die Umsteigmöglichkeiten in Istanbul oft nicht so direkt sind, wie es auf dem Fahrplan suggeriert wird - offenbarte sich der Otogar als eine bunte Mischung aus ca. 65 verschiedenen Busunternehmen. Vor jedem Laden stand ein Mitarbeiter der fleißig alle Verbindungen mit noch freien Sitzplützen ausrief. Zum Glück hatten wir bereits Tickets!
Hinter der Ladenreihe kamen dann die eigentlichen Abfahrts-”Gleise” (das Wort hier, “peron”, ist tatsächlich dasselbe wie für “Gleis”). Hier warteten wir dann noch gut eine halbe Stunde und mit uns noch hunderte andere, die, so schien es uns, alle sowohl ihren ganzen Hausrat wie auch sämtliche Kinder dabei hatten.
Als wir allerdings in unseren Bus stiegen, fanden wir uns sofort in einer ganz anderen Welt wieder. Der Bus war bestens ausgestattet; jeder hatte einen eigenen Bildschirm, um Fernsehen und Filme zu schauen. Der Bildschirm hatte USB-Anschlüsse für eigene Musik und Filme, und fürs Fernsehen konnte man zwischen den Sendern eines DVB-T-Transponders wählen. Der Service reichte mit Freigetränken und Snacks fast an eine Flugreise heran.
Wieder einmal zeigen türkische Unternehmer uns Westeuropäern, wo es langgeht: Eigene Medienunterhaltungssysteme für jeden Fahrgast in Flugzeugen, Bussen und Zügen, und das nicht nur in der ersten Klasse. Dass sowas nicht viel kostet, kann man seit Jahren auf der Cebit sehen, also warum nicht mal ein Verkehrsmittel damit ausstatten? In Istanbul gab es sogar ein stadteigenes, kosteloses WLAN im großen Park vor der Blauen Moschee. Ich glaube, in Deutschland hält uns in diesen Dingen nicht die Technik oder das Geld, sondern die Skepsis gegenüber den neuen Technologien zurück, was jammerschade ist. Die Türkei zeigt wie es geht!

Unsere Fähre fuhr immer in der Nähe der Schwesterfähre über das Marmara-Meer, die hier zu sehen ist.
Nach ca. 3 Stunden Fahrt stellten wir erstaunt fest, dass es nun offensichtlich per Fähre weitergeht, und nach weiteren 3 Stunden fanden wir uns auf einem Rastplatz wieder, der gänzlich – von den Tolietten über den Dönerladen bis zum Supermarkt – von dem Busunternehmen unterhalten wurde, mit dem wir unterwegs waren. Ein bisschen gruselig war es: Metro-Angestellte, Metro-Ayran, Metro-Döner, Metro-Busse.
Um kurz vor acht waren wir schließlich am Otogar in Bergama angekommen! Unser Hostel zu finden, war allerdings nicht einfach, da wir aus der Wikitravel im Internet nur wussten: Gleich nördlich vom Otogar. Nach einigem Rumfragen bei den Ortsansässigen sind wir erstmal ohne Plan nach Norden losgelaufen. Plötzlich holte uns von hinten jemand ein und nannte uns den Weg – wir waren offenbar Ortsgespräch geworden und man hatte uns helfen wollen!
Bei unseren Nachfragen nach dem Weg zeigte sich die türkische Mentalität, Entfernungen konsequent zu unterschätzen: Der Weg beträgt 800 Meter und wurde uns zunächst als 100 Meter genannt. Bei 400 Metern wurden uns 200 Meter angekündigt, und bei 150 Metern waren es noch 30 Meter. Aber nichtsdestotrotz sind wir angekommen, im Citi Hostel, einem maximal entspannten kleinen Laden, der von einem durchgeknallten Türkisch-Australier betrieben wird. Hier haben wir ein Doppelzimmer mit Ehebett und Frühstück für 12 Euro pro Nacht und Nase, was nach den 15 Euro in Instanbul für Betten im 6er-Schlafraum ein echtes Schnäppchen ist.
Von unserem Besuch in der antiken Stadt Pergamon schreiben wir auch noch, wenn wir Efesos besucht haben! Dort geht es morgen mit zwei Franzosen hin, die wir hier im Hostle kennengelernt haben, und die ebenfalls dorthin wollen. Wir werden von ihnen im Auto mitgenommen und sparen so eine Busreise. Bis bald also!



































